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Die Ortsförderung ist Heimatförderung für Nähe und Kontinuität.

 

 

INTERVIEWS   

  

THEMEN

 

-Die grossen Chancen einer professionellen Ortsförderung

-Die Vorzeigegemeinde in der Ortsförderung 2016

-Grosse Lücken in der Ortsförderung von Einsiedeln

 

 

Die grossen Chancen einer professionellen Ortsförderung

 

„Nur die Dümmsten und die Weisesten können sich nicht ändern.“ (Konfuzius, Chinesischer Philosoph)

 

Erfolgreiche Gemeinden geben der gesellschaflichen Ortförderung recht!

                                                                                                                                                              Fo Th.Egger

Autor: Thomas Egger M.Sc., seit 25 Jahren Inhaber der Beratungsfirma EGGER & PARTNER mit über 250 Beratungen und Aufträgen für Ortsförderungsprojekte im deutschsprachigen Europa

 

1. OF: Welche Bedeutung hat für Sie die Ortsförderung für Gemeindeentwicklungen?

 

Es geht vor allem um eine ganzheitliche und nachhaltige Optimierung aller Ortschaftqualitäten – insbesondere der Aufenthalts- und Lebensqualität – für die Bevölkerung im ganzen Gemeindegebiet. Neben der notwendigen Wirtschaftsförderung mit ihren messbaren und „harten“ Faktoren, berücksichtigt die gesellschaftliche Ortsförderung auch unmessbare, „weiche“ Kriterien, welche das Wohlgefühl der Menschen stark beeinflussen.

 

2. OF: Was sind die wichtigsten Ziele in der gesellschaftlichen Ortsförderung?

 

Wirtschaft und Gesellschaft müssen im Zentrum der Ortsentwicklung stehen und der Fokus muss auf alle entscheidenden Faktoren gerichtet sein. Letztlich geht es bei der Ortsförderung, als Teil der Ortschaftentwicklung, um eine ausgewogene Steigerung der gesellschaftlichen Wertschöpfung, damit für die Bewohner ein attraktiver Lebensraum entstehen kann. Wertschätzung gegenüber allen Institutionen, Organisationen und der Bevölkerung ist aber auf jeden Fall die Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung einer Gemeinde.

 

3. OF: Wo steht die Gemeindeentwicklung heute im deutschsprachigen Europa?

 

Immer mehr Gemeinden befassen sich mit einer professionellen Ortsförderung und dies zusammen mit der Bevölkerung. Gegenüber den Anfängen hat sich die Richtung insoweit geändert, dass heute eine ganzheitliche Sicht der Entwicklung mit vernetzten Inhalten im Zentrum steht und nicht nur ein klassisches Standortmarketing mit den Schwerpunkten Kommunikation, Vermarktung und Information. Nur so kann ein gemeinsames Dach für eine nachhaltige Ortschaftentwicklung für die Zufriedenheit der Bevölkerung entstehen.

 

4. OF: Gibt es neue Ideen für die Ortschaftentwicklung?

 

Wichtig ist eine interdisziplinäre und ausgewogene Entwicklung der Gemeinde bzw. Region mit eingebrachten „Innensichten“ (Selbstbild) durch die Bevölkerung und „Aussensichten“ (Fremdbild) durch die umliegenden Gemeinden und Institutionen. Dabei spielt die Entwicklung von starken Standortmarken für Produkte und Dienstleistungen, die von allen Interessengruppen in der Gemeinde bzw. Region mitgetragen werden müssen, eine entscheidende Rolle.

 

5. OF: Welche Modelle für eine offiziell koordinierte Ortsförderung haben sich vor allem bewährt? 

 

Ortsförderung ist an sich eine hochpolitische Angelegenheit  - aber niemals eine parteipolitische Angelegenheit – und muss für eine nachhaltige Konstanz durch die Behörden professionell geführt und durch die Verwaltung gezielt unterstützt werden. Externe Organisationen für die Ortsförderung haben nur genügende Durchschlagskraft, wenn sie mit Vereinbarungen die entsprechenden Kompetenzen von der Gemeindeführung erhalten und der finanzielle Aufwand der gesellschaftlichen Ortsförderung in der Jahresrechnung der Gemeinde ausgewiesen wird.

 

6. OF: Wie hat sich die Arbeit mit der Gemeindeentwicklung in den letzten Jahren für Ihr Unternehmen entwickelt?

 

Die Themenbereiche sind gleich geblieben, jedoch haben sich bestimmte Schwerpunkte, wie die Entwicklung und Führung von Standortmarken, Schaffung von „Business Improvement Districts“ (Regionen für Unternehmensverbesserung und Finanzierungen durch private Organisationen) und Weiterentwicklung der bestehenden Ortsförderungsinstitutionen zu umfassenden Organisationsstrukturen, herauskristallisiert. Durch diese ganzheitliche Sicht entstanden neue Aufgabenbereiche und Beratungsschwerpunkte.

 

7. OF: Was möchten Sie zusätzlich zum Thema gesellschaftlichen Ortsförderung noch anbringen?

 

Die Ortsförderung muss vernetzt und interdisziplinär aufgebaut sein. Dies bedingt, dass Partikularinteressen unter einer einheitlichen Führung keinen Vorrang haben dürfen. Es sollten durch bestimmte Personen und Organisationen keine Parallelstrukturen entstehen, d.h. die Kräfte müssen für das Gemeinwohl der Bevölkerung einheitlich gebündelt werden. Die Bevölkerung muss von Anfang an in den Entwicklungsprozess durch Umfragen, offizielle Ortsförderungsveranstaltungen und Selbstengagement eingebunden sein. Eine gezielte und erfolgreiche Zusammenarbeit aller lokalen bzw. regionalen Interessengruppen mit klar definierten Kompetenzen kann aber nur durch Leistungsvereinbarungen erreicht werden./20.8.17

 

Thomas EGGER, M.Sc.

GF der EGGER & PARTNER

Keimlgutgasse 11

4040 Linz

ÖSTERRREICH

Tel.: 0043/732/716 811-0

Mobil: 0043/664/22 31 770

e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.egger-partner.at

 

                                                                                                                                                               

Beromünster, die Vorzeigemeinde in der Ortsförderung 2016

 

Wir haben kein Wunschkonzert, aber .... 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    zihlmann andre 8DK0604 108

 

Autor: André Zihlmann, ehemaliger Gemeindepräsident und Begründer der offiziellen und koordinierten Ortsförderung***

 

1. OF: Wie hat sich die Region seit der Einführung der gesellschaftlichen Ortsförderung entwickelt?

 

Beromünster hat sich in den vergangenen 12 Jahren stark entwickelt. Aus vier autonomen Gemeinden (Beromünster, Gunzwil, Neudorf, Schwarzenbach) ist die Gemeinde Beromünster mit 6519 Einwohnern entstanden. Im Jahre 2005 wurde der Verein Ortsmarketing Beromünster gegründet und es gelang ihm, mitten in der Zeit der Gemeindezusammenschlüsse, mit Projekten den Zusammenhang innerhalb der Ortsteile zu stärken und so eine gemeinsame Identität zu fördern. Unsere Organisation arbeitet für die Zukunft: Sie ist Trägerin des Bundesprojektes „periurban“. Dieses will die Identität der Ortsteile und das Zusammenleben mittels einer breit definierten Kultur fördern. Beromünster, im steuerlichen Mittelfeld des Kantons Luzern, profitiert von der Ortsförderung enorm. Die Gemeinde unterstützt mit allen möglichen Mitteln zukünftige Herausforderungen. Die sehr gut vernetzte Ortförderung koordiniert Gruppierungen, Vereine und kantonale Institutionen und trägt damit auch zur überregionalen Wahrnehmung bei. Niemand möchte heute diese Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger mehr missen.

 

2. OF: Was sind die wichtigsten Ziele in der Ortsförderung?

Unser oberstes Ziel ist seit Anfang die Bürgernähe und für die BürgerInnen da sein. Dazu braucht es klar definierte Wege und eine gute Kommunikation auf breiter Ebene damit stets neue Meilensteine erreicht werden können.  

 

3. OF: Welche Errungenschaften in der Gemeinde gehen auf die Ortförderung zurück?

Der Verein Ortsmarketing hat Strukturen geschaffen für eine unkomplizierte Umsetzung von Projekten: Jeder Einwohner, der eine gute Idee hat, wird durch die Geschäftsstelle unterstützt und vernetzt. Wir haben natürlich kein Wunschkonzert, aber wir können Projekte und Ideen „zum Fliegen“ verhelfen. Im Jahre 2016 wurde die erste Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Verein Ortsmarketing unterzeichnet. Die jährlich zu treffenden Zielvereinbarungen schaffen zusätzlich Klarheit. Sie dienen als Kontrollinstrument und machen gleichzeitig den Leistungsausweis des Vereins noch deutlicher sichtbar. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist auch das Engagement vieler Freiwilliger, denn in Beromünster sind zeitweise bis zu 100 Leute in verschiedenen Bereichen und Projekten in der Ortsförderung involviert. Zudem erhalten wir regelmässig eine Plattform in der Lokalzeitung "Anzeiger Michelsamt" für aktuelle Informationen. Die Ortsförderung hat sich als feste Institution in der Gemeinde etabliert. Wir haben auch eine 50%-Geschäftsstelle, welche sich an zentraler Lage mitten im Flecken befindet. 

 

4. OF: Gibt es neue Entwicklungsideen Ihrer Region?

Beromünster will als Wohngemeinde ein interessanter, lebendiger Flecken sein. Für uns ist es enorm wichtig die Wohnqualität zu erhalten, sich in Energiefragen zu positionieren, das „Projekt Regionale Entwicklung“ umzusetzen und natürlich eine Anlaufstelle für gute und innovative Projekte zu sein. Visionen sind: eine intakte Landschaft, menschengerechte Landwirtschaft, Entlastungsstrassen und das Label Energiestadt. Die Ortsteile (Neudorf, Gunzwil, Schwarzenbach) werden ebenso gefördert wie das Zentrum, indem die vielen Angebote auch vernetzt auf eine gemeinsame Plattform gebracht werden.

 

5. OF: Wie hat sich die offiziellen Koordinationsstelle für die Zusammenarbeit mit den Behörden bewährt?

Die Behörden wissen um die gute Arbeit im Ortsmarketing. Es finden regelmässig Informationstreffen statt. Sie unterstützen diese Arbeit auch stark finanziell, was auch an der Budget-Gemeindeversammlung den Bürgern zur Genehmigung vorgelegt wird. Die jährlich neu definierte Leistungsvereinbarung (Unterstützung mit rund 25 Steuerfranken pro Einwohner) zwischen der Gemeinde und dem Ortsmarketing ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit. Unser Erfolg basiert auf einer breitabgestützten Entwicklungsstrategie, professionellen Strukturen und klar festgelegten Aufgaben mittels Leistungsvereinbarungen. Die gegenseitige Wertschätzung spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn man versteht sich nicht als Konkurrent sondern als Partner. 

 

6. OF: Was möchten Sie zusätzlich noch zur Ortsförderung anbringen?

Wir unterstützen auch die Bemühungen der Wirte und der KMU's in ihrem Bestreben attraktiv zu bleiben. Zusätzlich wollen wir die Markenentwicklung forcieren. Marken erhalten zunehmende Bedeutung in unserer Gesellschaft, denn sie schaffen Orientierung nach innen und nach aussen. Durch Abgrenzung heben sich Marken heraus, fördern Begehrlichkeiten, werden relevant und bauen dadurch Wertschätzung auf. Diese Tatsachen machen eine Destination wahrnehmbar und die Produkte dazu liefern den Beweis. Dies gilt intern wie extern konsequent zu kommunizieren. / 1.8.17

***siehe www.5-sterne-region.ch                                                           

 

HINWEIS

Die "Fünfsterne-Region Beromünster" stellt sich gerne für Auskünfte, Besichtigungen und Treffen für Ortsförderungsstellen und Gemeindebehörden zur Verfügung.  

 

 

 

Grosse Lücken in der gesellschaftlichen Ortsförderung von Einsiedeln

 

Autor: Markus Brändle, Einsiedeln

 

1. OF: Welche Bedeutung hat für Sie die Ortsförderung für die zukünftige Entwicklung einer Region?

Für mich hat die Ortsförderung einen sehr grossen Stellenwert. Auf der einen Seite sollten sich Menschen, welche schon seit Jahrzehnten in Einsiedeln ansässig sind und anderseits auch Menschen, welche erst seit kurzem oder später in die Region ziehen, wohlfühlen. Für mich geht es darum, dass die generelle Lebensqualität hoch bleibt oder gar noch verbessert wird, was einen aktiven Prozess innerhalb der Bevölkerung und der Behörden voraussetzt.  

2. OF: Was sollten die Ziele in der Ortsförderung sein?

Ortsförderung sollte, im Gegensatz zum Tourismusangebot, vor allem für die Menschen sein, welche hier leben. Das eine schliesst für mich das andere nicht aus. Einsiedeln lebt nur zu einem kleinen Teil vom Tourismus. Die Bewohner sollten von einem vielfältigen und attraktiven Angebot des Alltages profitieren und in einem optisch ansprechenden Lebensraum mit starkem Ambiente leben können. Mann (Frau) sollte sich daheim fühlen.

3.OF: Wo steht die Ortförderung heute?

Es wird viel Positives in Einsiedeln gemacht. Vereine und oder private Organisatoren veranstalten Anlässe und ich kann schon heute von einem grossen Angebot profitieren, das auch genutzt wird. Vielfach werden aber Einzelinteressen über das Gesamtwohl gestellt. Ein grosses Problem ist für mich das „Kleingartendenken“. Einzelinitiativen werden sofort negativ hinterfragt und bereits sehr früh zerrissen. Das fehlende Geld ist immer der erste Vorwand gegen neue Ideen und damit fehlt eine grossflächige Unterstützung. Alles wird hinterfragt und negativ beurteilt. Alle wissen es bereits im Voraus besser. 

4. OF: Was sagen Sie zur Einrichtung einer offiziellen Koordinationsstelle für eine gezielte Ortsförderung?

Eine Koordinationsstelle wäre entscheidend. Das schon von mir erwähnt „Kleingartendenken“ sollte dem Gesamtwohl weichen. Ich bin nicht gegen Biotope, aber was nützt das schönste Biotop, wenn das Drumherum fehlt. Nur gemeinsam sind wir stark und können vieles erreichen.      

5.OF: Was möchten Sie zusätzlich noch zur Ortsförderung anbringen?

    Es gibt viel zu tun. Packen WIR’s miteinander an! /1.4.16